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30.08.2026 - Ötztal Rad Marathon 2026 in Sölden - Einfach mal ´ne Ausfahrt machen

Wir trafen uns am letzten Freitag im August und fuhren ins schöne Sölden. Im Auto hatten wir unsere Radl. Irgendwer war irgendwann mal auf die Idee gekommen, am Ötztaler Radmarathon teilzunehmen. Gesagt, aber wie sich später zeigen sollte, gar nicht so einfach getan. Aufgrund der großen Resonanz (ca. 25000 Interessierte bei 4400 Startplätzen) mussten unsere Namen in den Lostopf. Und, Glück gehabt.

Wir bezogen unser Quartier im Zentrum von Sölden. Der Samstag vor dem Wettkampf war voller Anspannung. Wir machten uns gegenseitig Mut mit markigen Sprüchen. Schließlich war noch keiner von uns vier Sportfreunden 227km und 5500 HM geradelt. Die vier Pässe Kühtai, Brenner, Jaufenpass und Timmelsjoch kannten wir teilweise aus eigener Erfahrung oder wenigstens dem Internet ????. Monate ätzenden Bergtrainings in Johannashall oder dem Fienstedter Berg lagen hinter uns – wir waren also bestens vorbereitet.

Als ich 5:15 Uhr am WK-Tag aufstehe, sehe ich die ersten Fahrer zur Startlinie rollen. Na, wer’s braucht. Der Start war für 6:30 Uhr angesetzt. Wir frühstückten und stellten uns zehn vor halb ganz hinten in der Schlange an. Hubschrauber über uns, Dämmerung um uns, ein Tag voller Abenteuer lag vor uns.

Die ersten 30 km gings bergab. Alle fuhren, als gäbe es kein Morgen und auch keine 4 Pässe. Der Kühtaipass (17km, 1200HM bei im Schnitt 7%, max. 16%) haute gleich richtig rein. Uns wurde warm, ums Herz und überhaupt. Was für eine Stimmung. Tausende Fahrer und hunderte Zuschauer, die Tour-de-France-like eine Gasse bildeten. Rein in die Abfahrt, mit einer gepflegten 65 und den Händen an den Bremsgriffen ins Tal. Dann kam was Leichtes. Der Brenner (39km, 770HM bei Schnitt 4%), die alte Brennerstraße, steigt lang und stetig an. Zeit zum Schnacken und Witze machen und wissend, dass bald Schluss ist mit lustig. Die Stationen sind gut organisiert. Genügend Helfer, genügend Essen. Ich lass mir die Brille polieren!

Vom Brenner geht`s rein nach Italien, nach Sterzing. Vor 4 Wochen war ich schon hier im Urlaub und hab mir den nun folgenden Jaufenpass gegeben. Doch heute habe ich schon ca. 140km in den Beinen und die Gegner im Nacken. Nein, Scherz. Beim Ötztaler kämpfen wir alle nur mit uns allein. Wir haben uns dagegen entschieden, mit den ersten mitzufahren und in unter 7h zu finishen. Wir werden 50% langsamer sein.

Auf dem Weg zum Jaufenpass (15km, 1130 HK bei Schnitt 8%) trennen sich unsere Wege. Lukas (LAV Halensia e.V.!) hat uns drei vom Start weg stehenlassen. Wir waren ihm nicht böse. Die Jugend sollte sich nicht mit solchen Kompostis wie uns abgeben. Tom, Heiko und ich waren lange zusammen, dann fuhr jeder seinen Rhythmus. Oben angekommen konnte mich nur die Gewissheit motivieren, dass jetzt nur noch ein Pass kommt. Der wird wohl der härteste, aber auch wenn ich den hochschieben müsste, würde ich es durchziehen.

Erstmal stürzten sich alle Fahrer in die 22km lange Abfahrt und werden belohnt mit grandiosem Asphalt, wunderbaren Kurven und (für Lukas) 125km/h in der Spitze.

Was nun folgte, sollte für mich zumindest, der härteste Anstieg meiner Radsport Karriere werden. 28km, 1760 HM mit Rampen von 14%. Ein bisserl müde war ich auch schon und so reichte es nicht ganz für einen Endspurt auf den Pass hinauf. Irgendwann war es aber doch geschafft und ich musste nur noch gemütliche 20km bergab nach Sölden rollen.

Nach 11:34h querte ich knülle, aber glücklich die Ziellinie. Im Ziel war die Party schon in vollem Gange. Wir feierten im Quartier etwas defensiver unsere gesunde Heimkehr.

Würde ich das noch mal tun? Mal sehen, das ist schwer zu sagen. So kurz nach dem Rennen hätte ich nein gesagt, jetzt, mit Abstand könnte ich es mir schon vorstellen. Allerdings gibt es auch noch andere schöne Wettkämpfe, bei denen man sich quälen könnte.

Schaun mer mal.

Text/Bild: Holger Stoek