Tag 31 – 21.08.2026 – Am höchsten Punkt
Nach der erfolgreichen „Besteigung“ des Dollberg war ich noch bis nach Ehrwald in Österreich gefahren. Ehrwald ist die Gemeinde direkt unterhalb der Zugspitze. Vom Balkon meines dortigen Hotelzimmers schaute ich direkt auf das Zugspitzmassiv und hatte damit mein Ziel des folgenden Tages unmittelbar vor Augen. Am Morgen erwartete mich bei immer noch deutlichen Schmerzen in den Füßen und Beinen ruhiges Sonne-Wolken-Mix-Wetter.
Nach einem ausgiebigen stärkenden Frühstück fuhr ich mit dem Auto die wenigen Kilometer nach Ehrwald-Obermoos zur Talstation der Tiroler Zugspitzbahn. Hier stellte ich mein Auto auf den großen Parkplatz, zog wieder meine festen Schuhe an, kaufte zum Preis von 66 Euro ein Seilbahnticket für die Hoch- und Runterfahrt und begab mich zur Abfahrt. Vom Dach der Talstation floss eine Menge Wasser ab, welches sich nach dem vielen Starkregen der letzten zwei Tage den Weg bergabwärts suchte.
So stieg ich in die alle 20 min. bergaufwärts fahrende Seilbahn. Insgesamt ist diese für 80 Personen zugelassen – wir waren zu siebent. Beeindruckend ist das Felsenmassiv schon, wenn man dort entlang langsam nach oben „schwebt“ – immer direkt an den Felsen vorbei. Später auf der Fahrt nach unten – zu neunt - fuhren wir durch die langsam dichter werdenden Wolken hindurch und sahen nichts mehr.
Nach 9 min. Fahrt oben angekommen, ging es noch 3 Etagen mit dem Fahrstuhl höher auf die Ebene der Aussichtsplattformen. Von der Österreichischen Seite aus hat man dabei die besten Blicke hinunter ins Tal. Dort liegt malerisch der Gamskarsee und man sieht wunderbar auf Obermoos mit der Talstation.
Nun ging ich über den kurzen Balkongang, überschritt die Grenze nach Deutschland und begab mich in Richtung Gipfelkreuz. Vor ca. 30 Jahren war ich schon einmal auf der Zugspitze. Damals lag oben Schnee und der Gipfel in den Wolken im dichten Dunst. Das Gipfelkreuz war nur zu erahnen. Heute hatte ich einen wunderbaren ungetrübten Blick darauf. Meine innere Einstellung war es, den Weg bis zum Gipfelkreuz zurückzulegen – sind dies doch „nur“ etwa 50 m. Weit gefehlt. Vor 30 Jahren hätte ich den Weg in Angriff genommen und sicherlich auch bewältigt. Heute sah ich den Weg und wusste sofort, dass ich ihn weder versuchen noch ihn schaffen würde. Steile, sehr hohe Steinstufen abwärts und wieder aufwärts, sich festhaltend an einem dünnen Stahlseil direkt am Abgrund, mehrere Meter am Felsen eine Leiter senkrecht bergauf – nein, ich begab mich nicht in Lebensgefahr. Natürlich waren mir auch mein teilweise unsicherer Gang und die noch vorhandenen Schmerzen in den Beinen sehr bewusst. Sicherlich wird der Weg für viele Menschen kein Problem darstellen, die allermeisten der dort an dem Tag anwesenden nahmen ihn trotzdem nicht in Angriff.
Ich begnügte mich mit Fotos aus 50 m Entfernung. Dazu bat ich nacheinander drei verschiedene Personen, bis dann endlich mal ein halbwegs brauchbares Foto dabei war. Was ist daran nicht zu verstehen, wenn ich sage: bitte mit Füßen, bitte mit Kreuz unmittelbar neben mir und bitte mit möglichst wenig Himmel. Na ja.
Das war dann also meine Südrunde. Ich bin jetzt wieder zu Hause und pflege meine Beine. In wenigen Tagen werde ich zum letzten Abschnitt nach Osten aufbrechen und das Vorhaben zu Ende bringen. Ihr werdet in Kürze hier wieder von mir lesen. Bis dahin.
LuSche


