4. Tag 24.04.2026 Mein Navi hat mich verstanden
Diese Überschrift ist eine Lüge. Korrekt muss es heißen, „Ich habe endlich mein Navi auf dem Handy verstanden“. Ich weiß, der Mensch lernt, solang er lebt. Bei Neuerungen in meinem Leben, und gerade erst recht bei technischen, brauche ich zum Lernen etwas länger, muss mich mit Geduld heranarbeiten. Am gestrigen 1. Ruhetag hatte ich ein wenig Zeit, mich nochmal intensiv mit dem Navi im Maps zu beschäftigen. Und siehe da, nach der Eingabe in den Routenplaner, muss man das Navi dann auch noch starten. Ach so. Jetzt geht der Bildschirm nicht mehr aus, der Standort und die Route werden wunderbar angezeigt und eine freundliche Stimme sagt mir noch, wo ich abzubiegen und langzufahren habe. Ihr konntet das alle bestimmt schon immer perfekt bedienen. Oder?
Heute Früh aufgewacht, der Himmel grau bewölkt, die Luft sehr frisch und ein wenig Wind, der es sich noch kühler anfühlen ließ. Aber dann ab 10 Uhr wurden die Wolken schön weiß, dann kamen erste kleine Wolkenlücken, die immer größer wurden, der Wind legte sich und der Himmel strahlte ab Mittag wieder herrlich blau. So schwang ich mich kurz nach 11 Uhr in den Sattel und fuhr gemütlich los. Vor der heutigen Etappe hatte ich für den Anfang der ganzen Tour den meisten Respekt, sollte es doch ganz schön bergauf „gehen“(?) (oder doch fahren oder radeln)(?). Von Cattenstedt nach Hüttenrode ging es dann auch sehr lange wunderschön durch den Wald und immer und immer weiter nur stetig bergauf. Der Waldweg war zwar leicht uneben, aber fest und ganz passabel fahrbar. Nur an einer Stelle musste ich absteigen und eine steile Rampe über ca. 30 m hochschieben. Aber das ist mit der Schiebehilfe am Rad auch kein Problem.
In Hüttenrode angekommen, wusste ich nicht, dass ich die weitaus meisten Höhenmeter des Tages schon hinter mir hatte. Hier entdeckte ich an einem Haus zwei Schilder, die auf das dortige Wohnen der Grasekönigin 2001 und der Heuprinzessin 2022 hinwiesen. Und genau in dem Moment, als ich das Schild fotographierte, kam die ehemalige Grasekönigin heraus. Wir wechselten kurz anderthalb freundliche Worte, sie stieg in ihr Auto und ich setzte mich wieder aufs Rad. Von Hüttenrode nach Elbingerode fuhr ich wunderschön auf einem recht flachen breiten Wanderweg, immer auf der Höhenlage bleibend. Rübeland ließ ich unten im Tal seitlich liegen. Und immer sah ich vor mir - und fuhr die gesamte Zeit (ca. 5 km) geradeaus darauf zu - den Wurmberg und den Brocken. Ein echt toller Anblick. Hier kamen mir auch endlich mal andere Radelnde entgegen. Allerdings hatten alle kein Gepäck dabei und waren eher sportlich trainierend unterwegs.
Auf diesem Weg überkam mich dann ein menschliches Bedürfnis. Schon einige Minuten rumpelte es in meinem Bauch und der Druck im Hintern wurde langsam größer. Da stand doch wie gerufen ein wunderbarer Baumstumpf am Wegesrand. Diese Gelegenheit habe ich genutzt, Hose runter, Hintern auf und über dem Baumstumpf geschoben und dann von Druck und Gewicht befreit. Und was das für eine Befreiung war. Jetzt weiß ich, wozu ich in meinem Rucksack immer etwas Toilettenpapier dabeihabe. „Der Morgenschi… der kommt gewiss und wenn es erst am Mittag is“.
Nach Elbingerode rein ging es zum Glück nur ein wenig bergab, wusste ich doch, dass ich alles bergabfahren auf der anderen Seite wieder nach oben muss. Aber die restliche Strecke nach Drei Annen Hohne und nach Schierke war gar nicht mehr so sehr viel nach oben und schon gar nicht steil. In Drei Annen Hohne stand gerade die Brockenbahn der HSB auf dem Bahnhof. Da legte ich einen kurzen Fotostopp ein, fuhr mit dem Rad zum Bahnsteig, stieg ordnungsgemäß ab und zückte meine Kamera. Als ich die Fotos im Kasten hatte, geschah es. Ich begegnete meinem negativen Menschen des Tages. An Tag 2 hatte ich vergessen, zu berichten, dass mich ein Autofahrer im Vorbeifahren wild anbrüllte, „Fahr auf den Radweg“. Ich hätte es gern getan, habe aber keinen gesehen, muss wohl im Ort eine Ausschilderung verpasst haben. Vielleicht verlief der irgendwo abseits der Straße und noch kam ich ja mit meinem Navi nicht klar. Heute nun am dritten Fahrtag stieg ich genau 5 m vor Ende des Bahnsteigs auf mein Rad und fuhr raus. Da kam gerade die Bahnhofsmitarbeiterin mit der Abfahrtskelle in der Hand angeschlendert. Ohne eventuell mal Guten Tag zu sagen oder mich ums Absteigen zu bitten, zischte sie mich mit der in solchen Situationen gewohnt lauten Stimme und der aggressiven Tonlage an, „Bahnsteig“. Na ja. An einer Schranke wartend, fuhr dann die Brockenbahn richtig schön an mir vorbei.
Froh gelaunt erreichte ich dann doch recht entspannt Schierke. Unterwegs sah ich noch, wie sich die Natur langsam erholt. Sahen hier doch vor Jahren alle Bäume noch komplett kaputt und abgestorben aus. Jetzt stehen dort schon wieder viele kleine neue Bäume. Schön. Nun befindet sich für die nächsten vier Nächte in der Jugendherberge mein Quartier. Mit dem Rad bis auf den Hof zur Fahrradgarage zeigte der Tacho genau 35,0 km in 2:11 h reiner Fahrzeit.
Morgen erwartet mich die Fahrt auf den Brocken. Da kenne ich allerdings die Strecke, weiß was mich erwartet, habe viel Zeit und bin bester Dinge.
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich für alle mir gesendeten Erfolgswünsche, lieben Grüße und gedrückte Daumen bedanken. Ihr seid so lieb zu mir.
LuSche


