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11.02.2018 - Barcelona Halbmarathon 2018 - 1:30h geknackt

Da wir Läufer jedes Jahr neue Wettkämpfe und neue Herausforderungen suchen, hatte ich einen Startplatz für den Halbmarathon in Barcelona gebucht.

Die Idee, mitten im Winter ein wenig Sonne zu tanken, schlug auch bei meiner Familie an. So machten wir uns auf einen fünftägigen „Antoni Gaudi“ - Kulturtrip zu meinem Geburtstag. Die Sagrada Família, Casa Batlló und Park Güell standen auf dem Programm.

Jetzt ist jedoch Sonntag, der 11. Februar und ich stehe einem Tag nach meinem Geburtstag hier am Start und der Sprecher zählt von 5 runter in Spanisch. Da hier noch Karneval ist, regnet es bei „0“ Konfetti auf die Profis in der 1. Reihe. Die Massen setzen sich in Bewegung und nach etwas Wartezeit darf auch ich die laut piepende Matte überqueren. Laufuhr starten und los geht’s. Es wird ein bisschen gedrängelt und geschubst – beim Halbmarathon zählt halt jede Sekunde. Erster Blick auf die Uhr – 3:52 – naja, übliche Anfangseuphorie. Vor mir laufen die Pacemaker für 1:25h (ja, es gibt hier Pacemaker im Halbmarathon von 1:15 bis 1:50).

Ich stoppe, wie beim Marathon in Hamburg, nur die 5km Splits. Vorgenommen hatte ich mir 4:20, um meine Bestzeit aus Dresden  (1:31:46) zu unterbieten.   Die ersten 2 – 3km sind um, und ich bin so bei 4:10, 4:11 – noch immer zu schnell, aber die Geschwindigkeit fühlt sich gut an. Ich höre den imaginären Klaus etwas von „Tempo raus“ rufen, aber hey - lange gerade Straßen  - kaum Kurven, kein Wind. Jetzt sind wir auf der Gran Via, km 4, wieder eine superbreite Prachtstraße. Sie sorgt dafür, dass sich die Läufer schön verteilen. Ich habe so 5 – 10m auf den Vordermann und versuche mich an einem Läufer im blauen Muskelshirt zu orientieren. Er läuft ziemlich gleichmäßig. Inzwischen haben wir die 5km Marke passiert, es piept und ein Blick auf die Uhr zeigt 21min irgendwas. Immer noch zu schnell. Verpflegung. Es gibt Wasserflaschen?! Plastik, 0,2l kann man gut trinken – einige schleppen die Flaschen wirklich ein paar km mit.

Bei km 7 sollen Ines und Tim stehen. Ziemliche Menschenmassen, aber ich kann Sie entdecken und winken. Wieder mehr als 2km geradeaus – alles läuft rund, eine 90 Grad Kurve, ein paar hundert Meter und wieder 90 Grad. Ich laufe an unserem Hotel vorbei. Die Spätaufsteher wundern sich über die Verrückten, die hier um 9:30 Uhr vorbeihetzen. Die 10km Marke ist erreicht. 42 Minuten und ein paar Zerquetschte. Kurz danach wieder Wasser, wieder Plastikflaschen. Die Strasse schwimmt. Mein Muskel-Shirt-Mann legt beim Tempo zu. Will wohl einen negativen Split laufen? Ich stoppe nach wie vor 5km Intervalle. Dieser liegt jetzt bei 4:12 – 4:15 alles noch im grünen Bereich. Es geht die „Rambla Prim“ runter – wieder eine riesig breite Straße. Mal wieder ein paar Trommler. Bis auf die km 6 - Marke habe ich bisher eher wenig Musik gehört.
Bei der anschließenden Pendelstrecke – 1,5km die „Diagonal“ rauf und auch wieder runter - stehen plötzlich Ines und Tim in der Mitte auf dem Grünstreifen. Diesen Treffpunkt hatten wir nicht vereinbart, aber sie haben es irgendwie mit der U-Bahn hierher geschafft. Tim klatscht ab und Ines feuert mich an. Das gibt noch einmal einen ordentlichen Schub.

Irgendwie sollte es jetzt zum Strand runter gehen – 2 Kurven später ist es soweit. Wir  biegen auf die „Garcia Faria“ ein und laufen auf der Hauptstraße neben dem Strand. Wunderbare Aussicht und Sonnenschein. Bei mir sind immer noch Reserven übrig und ich überlege mir die Taktik für die letzten Kilometer. Endbeschleunigung heißt unser Zauberwort im Marathontraining mit Klaus. Bei einem Schnitt von 4:11 – 4:15 ist eigentlich nicht mehr viel „Beschleunigung“ drin. Nehme mir trotzdem vor, ab km 20 nochmal einen Gang hochzuschalten. Noch kann ich aber die Aussicht links von mir genießen – dort am Hafen Olympic sind einige Segler unterwegs. Die km 18 – 19 ziehen sich ein wenig. Das Feld wird schneller und ich bin versucht mitzugehen. Kehre dann aber zum ursprünglichen Plan zurück – beschleunigt wird ab km 20.
Beim riesigen Springbrunnen biegen wir auf die Marina ein. Da ist es – das 20km Schild. Mal schauen, was noch im Tank ist. Alle „riechen“ geradezu das Ziel und werden gefühlt noch ein wenig schneller. Ich schaffe tatsächlich noch eine Beschleunigung auf 4:04. Letzte Kurve zum Ziel – Pyjades. Durch die vielen Sponsor-Tore kann ich hier in ca. 500m Entfernung das Ziel sehen. Sieht verdammt gut aus – die Zeit tickt und zeigt irgendwas mit 1:30:35 oder so. Da es sich um die Brutto-Zeit für die Champions handelt, habe ich nach meiner Meinung mindestens 50-60 Sekunden gut.

Die 1:30h habe ich also geknackt. Ein Blick auf meine handgestoppte Laufuhr ergibt ebenfalls 1:29:45 – Super. Ines gratuliert und knippst Fotos von der Seite. Der Zielbereich erstreckt sich über eine großflächige Parkanlage bis hin zum Arc de Triomph. Als erstes kommt die Medaillenstation. Da ich bei den ersten 10-15% eingelaufen bin, herrscht hier noch keine lange Wartezeit. Danach die Getränkeausgabe. Alles professionell organisiert. Es geht wie bei der U-Bahn an 10 Reihen geradeaus. Jeder nimmt sich vom bereitgestellten Powerade oder Wasser (wieder alles Plastikflaschen) soviel man möchte und weiter zur nächsten Station. Dort gibt es Umhänge – es sind ca. 8 Grad in der Umgebung. Als letztes gibt es Bananen und Apfelsinen. Kein Warten, kein Schlangestehen – perfekt.

Der Arc de Triomph bietet sich als Hintergrund für die Siegerfotos an und als Bonus gibt es vom Veranstalter eine Lasergravur der gelaufenen Zeit. Auf diese Weise erfahre ich, dass es 1:29:39 waren und habe damit die höchstoffizielle Bestätigung unter 1:30h gelaufen zu sein.

Barcelona im Februar kann ich vorbehaltlos empfehlen. Es sind schon einige Sonnenstunden mehr inklusive als in Deutschland, die Strecke ist extrem flach und damit schnell (nur 20m Höhenunterschied). Zuschauer waren reichlich an der Strecke und das Verhalten der anderen Läufer – abgesehen vom Start – war sehr sportlich und fair. Ich wurde auf die 3 Schlaglöcher auf der Laufstrecke hingewiesen, Überholvorgänge werden mit der Hand angezeigt und ähnliches. Ganze 25 EUR Startgebühr (inklusive Laufshirt und Medaillengravur!!) runden den Halbmarathon ab.

Irgendwann komme ich wieder.

Text/Foto: Matthias Allmich/Ines Schwab


 

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